Forschung » Italienprojekt
"TUSCANY DOG PROJECT"
Langzeit-Verhaltensbeobachtungen an verwilderten Haushundegruppen in der Toskana/Italien (von 2005 bis 2007)
Bisher veröffentlicht:
Beschwichtigungssignale der Hunde
Abbruchsignale der Hunde
Markierverhalten
Futterrangordnung
Dominanzverhalten
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Buch und DVD: Die Pizza-Hunde
Freilandstudien an verwilderten Haushunden, Verhaltensvergleich mit Wölfen. KOSMOS-Verlag 2007, 256 Seiten, 220 Farbbilder.
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Projektleiter: Günther und Karin Bloch
Wissenschaftlicher Projektberater:
PH.Dr. Udo Gansloßer, Privatdozent für Zoologie, Institut & Museum Universität Greifswald
Sinn des Projektes
Wild lebende Hunde gelten aus verhaltensbiologischer Sicht zu Recht als eine Art Bindeglied zwischen Wolf und Familienbegleithund. Da ihr Verhaltensrepertoire bisher nur unzureichend studiert wurde und wir von den Hunden lernen können wie sie ohne Manipulation des Menschen kommunizieren und interagieren, wollen wir durch unser Projekt dazu beitragen, das Gesamtbild Wolf - verwilderter Haushund - Familienbegleithund zu komplettieren.
Projektbeginn/Dauer: 08. Mai 2005 bis Ende 2007
Die Hunde-Farm "Eifel" führte in der Toskana/Italien als einziges Caniden-Verhaltenszentrum Deutschlands in Zusammenarbeit mit diversen Volontären und Studentinnen für 2,5 Jahre ein Feldforschungsprojekt im "Parco Naturale San Rossore" durch, welcher zwischen Viareggio und Pisa gelegen ist. Dieser umfasst in etwa eine Größe von 22.000 ha (220 Qkm). Die dort in freier Wildbahn lebenden ehemaligen Haushunde geniessen Vollschutz und halten sich hauptsächlich in einem grossen, naturbelassenen Mischwald und in der Strandregion des Naturparks auf. In diesem Lebensraum haben Tierschützer einen festen Futterplatz eingerichtet, zu dem die Hunde fast jeden Tag kommen. Die Hunde sind nicht kastriert, so dass ein Schwerpunkt unserer Verhaltensstudien die Dokumentation ihres Reproduktions- und Sozialverhaltens ist.
Alle Hundewelpen wurden in wolfstypischen Höhlen geboren und erfahren KEINE Prägung auf den Menschen. Deshalb zeigten die verwilderten Haushunde von San Rossore auch ausgeprägtes Meideverhalten gegenüber Fremdpersonen. Unser Projekt bezog sich deshalb nur auf die Sammlung von Lebensdaten dieser Hunde und beschäftigte sich NICHT mit irgendwelchen Einfangaktionen, wie sie zum Teil in Tierschutzkreisen bedauerlicherweise oft pauschal Gang und Gäbe sind.
Am 12. Mai 2005 hatten wir mit Hilfe der italienischen Veterinärin Dr. Cecilia Ambrogi mehrere Hunde eingefangen und mit so genannten Radiohalsbänden (Peilsendern) ausgestattet. Alle besenderten Hunde wurden durch unsere Einfangaktionen in keiner Weise behindert und waren zu Lebzeiten stets wohlauf. Eine Integration in ihr bestehendes Rudel war nach der Besenderung nie ein Problem. Nach den ersten knapp 2 1/2 Jahren können wir folgendes Fazit ziehen: Die Familienmitglieder der Haupt-Beobachtungsgruppe formten im Gegensatz zu den Klischeevorstellungen mancher Menschen eine Rudelgemeinschaft wie Wölfe, schliefen zusammen, wanderten zusammen, frassen zusammen und verteidigten ihren Nachwuchs gemeinsam gegenüber ihrem Hauptfeind Wildschwein (siehe Forschungsbericht). Der Hundebestand hat innerhalb von 2 1/2 Jahren sowohl bei den Erwachsenen, als auch bei den Welpen abgenommen, so dass von einer "uferlosen" Vermehrung nicht die Rede sein kann (siehe Forschungsbericht). Anfangs hiess es, dass die Hunde sich aggressiv gegenüber Menschen verhalten würden. Wir konnten aber nachweisen, dass es sich hier nur um Gerüchte handelte (siehe Forschungsbericht).
Mit Hilfe der angewandten Telemetrie - Technik waren wir seit Projektbeginn nicht nur bestens in der Lage, die Reviergröße (Im Sommer zirka 15 Qkm, im Winter zirka 20 Qkm) und das Wanderverhalten der Hundegruppen zu bestimmen, sondern haben während unserer Untersuchungszeit mehrere zehntausend Standortbestimmungen vornehmen können. In Zusammenarbeit mit mehreren Feldforschungsassistenten nutzten viele Canideninteressierte die Möglichkeit, verschiedene Diplom- und Doktorarbeiten zu hunderelevanten Themen zu erarbeiten. Alle Studentinnen wurden im Vorfeld des Projektbeginns nach einer einheitlichen Untersuchungsmethodik von Dr. Udo Gansloßer geschult, denn obwohl das Thema "Straßenhunde" in aller Munde ist, lagen bis zum heutigen Tag leider keine ausführlichen Forschungsarbeiten über das Sozialverhalten von so genannten "Straßenhunden" vor. Die Ergebnisse unserer ersten Projektentwicklungen wurden bereits in der WDR-TV-Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" und in der VOX-TV-Sendung "Hund-Katze-Maus" ausgestrahlt und außerdem in verschiedenen Hundefachzeitschriften und Magazinen in zusammenfassender Form veröffentlicht. So in Auszügen seit November 2007 in jeder Ausgabe des Magazins "HundeWelt".
Wir hatten in unserem Feldforschungsgebiet in der Toskana ein Haus gemietet, welches uns als Basisanlaufpunkt diente. Günther und Karin Bloch sowie Stefan Kirchoff hielten sich in regelmässigen Abständen im Studiengebiet auf, um das Studienprojekt zu leiten.
Wir danken der Firma HAPPY DOG sowie Sabine und Norbert Radhoff vom FREßNAPF NÜRNBERG, die unser Feldforschungsfahrzeug zu je ein Drittel des Neupreises gesponsert haben.
Achtung: Wir haben das Projekt Ende 2007 eingestellt, weil wir schlicht nicht mehr bereit sind, pro Jahr zirka 40.000 Euro in ein Projekt zu investieren, um uns anschliessend von Pseudo-Kritikern, die alles besser wissen diffamieren zu lassen. Wir bedanken uns aber herzlich bei allen Menschen, die uns die letzten 2 1/2 Jahre unterstützt haben! Wir nehmen ab sofort keine Hundepatenschaften mehr an, verweisen aber auf die Möglichkeit, eine Patenschaft für einen Wolf übernehmen zu können!