Forschung » Kanadaprojekt
"Bow Valley Wolf Behaviour Study":
Langzeit-Verhaltensbeobachtungen an Timberwölfen
in den Rocky Mountains
Projektleiter: Günther und Karin Bloch
Wissenschaftliche Berater: Dr. Paul Paquet & Dr. Mike Gibeau (Universität Galgary)
Wolf und Hund sind und bleiben enge Verwandte:
Hunde, egal welcher Rasse sie angehören, können ihre wölfischen Wurzeln selbst nach einer jahrtausendelangen Domestikationsgeschichte nicht verleugnen. Wolf und Hund sind laut DNA-Analysen enger miteinander verwandt als Wolf und Kojote oder Wolf und Schakal. Genau deshalb werden Hunde in der Wissenschaft unter der korrekten Bezeichnung “Canis lupus f. familiaris” geführt. Auch wenn sie sich durch einen langen Anpassungsprozess an den Menschen genetisch ausgeprägt verändert haben, bleiben ihre klassischen Grundeigenschaften trotzdem sehr wölfisch: sie sind sozial, territorial, kooperationsfähig und, was anscheinend oft völlig vergessen wird, sie sind primär “Nasentiere”!
Warum erforschen wir eigentlich Wölfe?
Um das komplexe Verhaltensrepertoire unserer vierbeinigen Hausgenossen einem besseren Verständnis zuzuordnen, gilt es im Sinne des bekannten Wissenschaftlers N. Tinbergen vier verhaltensbiologische Fragen zu stellen: “woher”, “wozu”, “wie” und “wodurch”. Jeder Hund stammt vom Wolf ab und ist trotz Zuchtselektion ein Beute-greifer geblieben. Unsinnige Bemerkungen wie “Hunde haben mit Wölfen nichts mehr gemein” dokumentieren nichts anderes als fachliches Unwissen. Im Kontrast dazu sammeln wir bewusst Lebensdaten zum wölfischen Sozialverhalten. Gerade weil wir Hundehalter sind, interessieren uns Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Verhaltensparallelen zum Wolf. Bei Wolfsfamilien und Mensch-Hund-Gespannen handelt es sich um unterschiedliche strukturierte Gruppenkonstellationen. Wolf, Mensch und Hund sind als gruppenorientierte Individualisten zu betrachten. Wolfseltern sind keine machtversessenen Diktatoren, sondern Idolfiguren mit sozialer Kompetenz. Von ihnen können Hundehalter lernen, wie man effektiv in die Rolle von “Ersatzeltern” schlüpft.
Zitat von Dr. Paul Paquet (2009): “Die Aktionen und Traditionen von Wolfsfamilien reflektieren das kollektive Zusammenspiel verschiedener Individuen. Menschen könnten vieles ÜBER SICH SELBST lernen, würden sie das wölfische Leben nur genauer betrachten und versuchen, es zu verstehen”.
Warum sollten sich Hundehalter mit Wolf-Hund-Vergleichen beschäftigen?
Diese oft gestellte Frage ist einfach zu beantworten: Um unseren Hunden, die sich prinzipiell wie Jungwölfe verhalten, besonnene Lehrmeister zu sein. Dabei helfen uns Klischees aus der Wolfswelt, derer es leider viele gibt, am allerwenigsten weiter. Dank unserer Freilandforschungsergebnisse sind wir seit geraumer Zeit in der Lage, eine strikte Trennung zwischen Verallgemeinungen und qualitativen Beweisen vorzunehmen:
- Banff’s Timberwölfe haben sich aufgrund habitat-spezifischer Bedingungen an eine reizintensive Welt angepasst. Die Folge: deutlich reduzierte Fluchttendenzen gegenüber Menschen. Auch an Kanadas Westküste, auf Ellesmere Island, in den Nationalparks Denali und Yellowstone oder aber in Rumänien verhalten sich Wölfe extrem flexibel und wenig scheu.
- Die Existenz eines alles entscheidenen “Alphawolfs”, der stets zuerst frisst und als ewiger Gruppenleiter fungiert, ist ein tradiertes Märchen.
- Bei der “strikt hierarchisch strukturierten Rudelhackordnung” handelt es sich um eine Klischeevorstellung.
- Wolfseltern haben mehr Pflichten als Rechte und diziplinieren ihre Kinder nicht durch “Nackenschütteln”.
- Wolf und Rabe durchlaufen eine gemeinsame Sozialisationsphase und leben zuammen in einer sozialen Mischgruppe. Die enge Lebensgemeinschaft der zwei Arten Mensch und Hund ist somit keineswegs einzigartig.
Ausführliche Berichte hierzu »
Freilandforschung in den kanadischen Rocky Mountains seit 1992:
Vielen “Insidern”, die unsere Arbeit seit Jahren unterstützen, sind die Namen “Storm”, “Aster”, “Yukon”, “Nisha”, “Hope”, “Nanuk”, “April”, “Delinda” oder “Fluffy” noch in guter Erinnerung. Sie alle zählten nicht nur zu den wichtigen Gruppenmitgliedern des viel-berühmten “Bow-Clans”, sondern haben uns tiefe Einblicke beschert in ihr Alltagsleben, ihre typischen Eigenschaften und Gewohnheiten.
In ewiger Erinnerung an Nanuk, Delinda und Fluffy.
Grosse Dynastien kommen und gehen:
Nach langen Jahren der Vorherrschaft zeigte die Familienstruktur des alten Bow-Clans im Spätsommer 2009 massive Zerfallserscheinungen. An ihre Stelle trat ein zunächst unbekannter Wolfsverband: die “Pipestones”. Die neuen Leittiere “Faith” und “Spirit” haben sich nach anfänglichen Irrungen und Wirrungen nebst ihrem Nachwuchs “Chesley”, “Rogue”, “Blizzard” und “Skoki” fest im Bowtal etabliert. Seit Oktober 2009 dokumentieren wir deren Sozialverhalten. Stundenlang sind wir fast jeden Tag mit ihnen unterwegs, videografieren, sammeln Verhaltensnotizen. Basierend auf unserem letzten Kenntnisstand (März 2010) haben alle Wölfe überlebt. Neuen Nachwuchs erwarten wir im April.

Allen, die an der kompletten Lebensgeschichte der Bowtal-Wölfe (1988-2008) interessiert sind, möchten wir unser Buch “Auge in Auge mit dem Wolf” ans
Herz legen.
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Wolfspaten gesucht!
Kontinuierlich durchgeführte Verhaltensstudien sind mit einem erheblichen Engagement und auch mit enormen Kosten verbunden. Um das extrem mobile Leben "unserer" Wölfe unter Freilandbedingungen so lückenlos wie möglich dokumentieren zu können, legen wir mit einem Allrad-Geländewagen pro Monat durchschnittlich 5000 km zurück.
Da wir die ganze Arbeit (als steuerpflichtige Unternehmer) selbst finanzieren, brauchen wir die Hilfe von möglichst vielen Hundehaltern, die uns finanziell unterstützen! Deshalb wenden wir uns gleichermaßen an Naturliebhaber, Wolfsfreunde, Hundetrainer und Halter mit der Bitte, eine Patenschaft für einen Wolf zu übernehmen. Durch eine Patenschaftsübernahme helfen sie nicht irgendeinem imaginären Forschungsprojekt, sondern erfahren das aktuelle Lebensgeschehen "Ihres" Wolfes aus erster Hand. Im Gegensatz zu Großprojekten, die fast immer mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden sind, fließt Ihr Geldbeitrag garantiert direkt in unser Forschungsbudget.
Was habe ich als Hundehalter von einer Wolfspatenschaft?
Einfache Antwort: Wissensvermehrung! Ob Diskussion über Alphastatus, Futterrangordnung, Führungsverhalten, Welpenaufzucht oder den Austausch von Kommunikationssignalen (von Beschwichtigung bis "Nacken-Schüttler"): Jeder erzählt etwas anderes über Wolfsverhalten und verunsichert den einfachen Hundehalter immer mehr. Durch eine Patenschaft für "Spirit" und/oder "Faith" hat nun jeder die Möglichkeit, ohne auf Spekulationen angewiesen zu sein, stets neue Feldforschungsergebnisse aus erster Hand zu erhalten.
Übrigens:
Eine Patenschaft ist auch eine ausgefallene Geschenkidee für Geburts- und Namenstage
oder zu Weihnachten!
Alle Informationen zu den Wolfspatenschaften finden Sie auf unserem
Patenschaftsformular.
Bitte laden Sie sich HIER das Formular als PDF herunter und drucken es aus.
Fotos:
© John E. Marriott / www.wildernessprints.com (Faith und Spirit) und
© Peter A. Dettling / www.TerraMagica.ca (Nanuk, Delinda und Fluffy)