Forschung » Kanadaprojekt
18 Jahre Freilandforschung an Timberwölfen in Kanada ("Bow Valley Wolf Behaviour Study")
Projektleiter: Günther und Karin Bloch
Stellvertreter: Peter Dettling
Wissenschaftlicher Berater: Dr. Paul Paquet & Dr. Mike Gibeau (Uni Calgary)
Warum eigentlich Wölfe erforschen?
Jeder Haushund (Canis lupus f. familiaris) stammt vom Wolf (Canis lupus) ab und kann seine Wurzeln selbst nach einer jahrtausendelangen Domestikationsgeschichte nicht verleugnen. Wolf und Hund sind laut DNA-Analysen enger miteinander verwandt als Wolf und Kojote. Wir sammeln Lebensdaten zum Gruppenverhalten von Wölfen in freier Wildbahn, um Gemeinsamkeiten UND Unterschiede zum Hund verstehen zu lernen. Wir begleiten Wolfsfamilien aber auch, um das heutige Zusammenleben von Mensch und Hund in der "modernen Gesellschaft" einem besseren Verständnis zuzuordnen.
Zitat von Paul Paquet (2009): "Die Aktionen und Traditionen von Wolfsfamilien reflektieren das kollektive Zusammenspiel verschiedener Individuen. Menschen koennten vieles über sich selbst lernen, würden sie das wölfische Leben nur genauer betrachten und versuchen, es zu verstehen".
Sowohl Wolfsfamilien als auch Mensch-Hund-Gespanne gilt es als individualistische Verbände zu betrachten, nicht als strikt hierarchisch geordnete "Rudel". Da Mensch und Hund nicht fortpflanzungsfaehig sind, basiert deren gruppenorientierte Sozialgemeinschaft keineswegs auf einer "Hackordnung", sehr wohl aber auf individuell unterschiedlich struktuierten Dominanzbeziehungen. Eine klassische Wolfseigenschaften liegt in der Fähigkeit und dem Willen zur Zusammenarbeit begründet. Dieses Erbe trägt jeder Hund in sich. Ein Märchen, das sich wachsender Beliebtheit erfreut, lautet: Mit Ausnahme des Haushundes kooperieren keine andere Tierarten miteinander. Genau deswegen soll das auf Zusammenarbeit basierende Mensch-Hund-Team so einmalig sein, respektive Wolf-Hund-Vergleiche unzulässlich.
An diesem Beispiel wird deutlich, wieviel Unsinn dem einfachen Hundehalter vermittelt wird und welchen Wissensvorsprung er hat, wenn er seriöse Forschungsergebnisse zu Rate ziehen kann. So ist uns seit Jahren bestens bekannt, dass Wolf und Rabe ein Leben lang sehr eng zuammenarbeiten, zeitlimitierte Kooperationen sowohl zwischen Kojote und Dachs als auch Fuchs und Dachs häufig vorkommen. Kooperative Ressourcenteilung gehören für viele tierische Fressgemeinschaften zum Alltag, nicht zuletzt für Wolf und Bär. Symbiosen sind das Eine. Die Sozialisation von zwei Arten bedeutet jedoch viel mehr. Brandaktuelle Erkenntnis: Wolf und Rabe bilden eine soziale Mischgruppe (zum Bericht »).
Langzeit-Feldforschung im Banff Nationalpark seit 1992
Unsere kynologischen Verhaltensbeobachtungen an der Bowtal-Familie, deren zirka 1.500 qkm großes Territorium im Herzen der Rocky Mountains, dem 6.600 qkm umfassenden Banff Nationalpark gelegen ist, erlauben uns wertvolle Einblicke in das Sozialverhalten von Timberwoelfen (Timber = Wald). Vielen "Insidern", die unsere Arbeit seit Jahren unterstützen, sind die Namen Storm, Aster, Yukon, Nisha oder Hope noch in guter Erinnerung. Im Bowtal hatte nach vielen Höhen und Tiefen im Spätherbst 2003 nur noch ein Wolf überlebt.
Sein Name: Nanuk.
Somit schienen unsere Forschnungsbemühungen am Ende zu sein. Erfreulicherweise traf der damals 3,5 Jahre alte Wolfsrüde im Dezember 2005 auf die sehr aktive, entscheidungsfreudige Fähe Delinda. Das Paar zog im Sommer 2006 gemeinsam zwei Welpen auf (Chinook und Lakota), 2007 sogar sechs (White Fang, Silvertip, Mickey, Ranger, Sundance und Fluffy) und im Frühjahr 2008 drei Nachkommen. Im Sommer 2008 kamen Delinda und ihr Sohn Silvertip auf dem Trans-Canada-Highway ums Leben. Der gut 2-jährige Lakota, bis dahin ein unermüdlicher Helfeshelfer des Bow-Clans, wanderte relativ unerwartet ab. Seine Schwester Chinook verließ die Familie ebenfalls, traf aber im benachbarten Kootenay Nationalpark einen jungen Rüden, mit dem sie seither fernab der alten Heimat zusammenlebt. Etwa zur gleichen Zeit verschwand die junge Mickey auf Nimmerwiedersehen. Im Herbst 2008 bestätigte sich, dass vom letzten Nachwuchs nur ein Rüde ueberlebt hatte. Ein Grund mehr, ihm den Namen Survivor zu geben.
Die Bowtal-Wolfsfamilie im Fruehjahr 2009
Nanuk, mittlerweile hoch erfahren und sieben Jahre alt, hatte es mit Beginn des neues Jahres trotz dem tragischen Tod seiner geliebten Paarparterin Delinda mit viel Cleverness und Hartnäckigkeit tatsaechlich geschafft, seine Kinderschar als "allein erziehender" Vater von den meisten Gefahren fernzuhalten. In der Paarungszeit 2009 blieb im leider das Glück verwehrt, eine neue Lebensgefährtin zu finden. Fluffy hat sich zum selbstbewusstesten Gruppenmitglied entwickelt. Ihre Schwester Sundance war und bleibt das "Seelchen" der Familie. Dies besonders auch nach dem Tod von Ranger, die Mitte Februar 2009 im mörderischen Straßenverkehr des Bowtals ihr Leben lassen musste. Aktuell (Stand April 2009) besteht die Bowtal-Familie aus Vater Nanuk, seinem erwachsenen Sohn White Fang, dessen Schwestern Sundance und Fluffy sowie dem knapp ein Jahr alten Survivor. Lakota ist nun schon fast drei Jahre alt. Er hat das Bowtal nicht wie wir vermuteten endgültig verlassen, hält sich dort zwischenzeitlich immer wieder mehrere Tage hintereinander auf, ohne allerdings direkten Kontakt zu Nanuk & Co aufzunehmen.
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Wolfspaten gesucht!
Kontinuierlich durchgeführte Verhaltensstudien sind mit einem erheblichen Engagement und auch mit enormen Kosten verbunden. Um das extrem mobile Leben "unserer" Wölfe unter Freilandbedingungen so lückenlos wie möglich dokumentieren zu können, legen wir mit einem Allrad-Geländewagen pro Monat durchschnittlich 5000 km zurück.
Da wir die ganze Arbeit (als steuerpflichtige Unternehmer) selbst finanzieren, brauchen wir die Hilfe von möglichst vielen Hundehaltern, die uns finanziell unterstützen! Deshalb wenden wir uns gleichermaßen an Naturliebhaber, Wolfsfreunde, Hundetrainer und Halter mit der Bitte, eine Patenschaft für einen Wolf zu übernehmen. Durch eine Patenschaftsübernahme helfen sie nicht irgendeinem imaginären Forschungsprojekt, sondern erfahren das aktuelle Lebensgeschehen "Ihres" Wolfes aus erster Hand. Im Gegensatz zu Großprojekten, die fast immer mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden sind, fließt Ihr Geldbeitrag garantiert direkt in unser Forschungsbudget.
Was habe ich als Hundehalter von einer Wolfspatenschaft?
Einfache Antwort: Wissensvermehrung! Ob Diskussion über Alphastatus, Futterrangordnung, Führungsverhalten, Welpenaufzucht oder den Austausch von Kommunikationssignalen (von Beschwichtigung bis "Nacken-Schüttler"): Jeder erzählt etwas anderes über Wolfsverhalten und verunsichert den einfachen Hundehalter immer mehr. Durch eine Patenschaft für Nanuk oder Fluffy hat nun jeder die Möglichkeit, ohne auf Spekulationen angewiesen zu sein, stets neue Feldforschungsergebnisse aus erster Hand zu erhalten.
Übrigens:
Eine Patenschaft ist auch eine ausgefallene Geschenkidee für Geburts- und Namenstage
oder zu Weihnachten!
Alle Informationen zu den Wolfspatenschaften finden Sie auf unserem
Patenschaftsformular.
Bitte laden Sie sich HIER das Formular als PDF herunter und drucken es aus.
Fotos: © Peter A. Dettling 2008 / www.TerraMagica.ca